Der allem Anschein nach letzte Teil dieser Serie beschäftigt sich, wie bereits versprochen, primär mit identischen und äquivoken Reimen sowie h*mophonen. Ohne langes Vorwort kommen wir diesmal gleich zur Sache. Das einzige, was im Vorfeld vielleicht noch angemerkt werden sollte, ist die Tatsache, da** sich diese Spezialitäten vor allem in Battle-Raptexten wiederfinden la**en, diesbezüglich also nicht wundern. Wie bei den meisten anderen, im Rahmen dieser Reihe vorgestellten Reimen, lässt sich das Merkmal des identischen Reims vom Namen her ableiten: der Reim erfolgt durch die Verwendung der selben Wörter bzw. Wortgruppen über mehrere Zeilen hinweg. Eko Fresh zeigt uns dies auf dem Track Zu extrem aus seinem Album Ekrem: Was wollt ihr mir erzähl'n? Denn ich habe Platten verkauft In einer Zeit, da hat man noch Platten verkauft Ich häng' mit Summer ab, der die Piece-Platten verkauft Die Reifen drehen durch, ich hab' dir ein' Platten verkauft Auch Kollegah lässt sich nicht lumpen und stellt seine Eloquenz mit dieser Technik des Öfteren unter Beweis, beispielsweise im Gastauftritt auf Von Boss zu Boss von Affenboss: Ey, ich bin so was von Boss, deine Mama fragt am Telefon: “Was hast du grade an?” und ich sag': “So was von Boss“ Dem aufmerksamen Leser meiner bisherigen Artikel dürfte auffallen, da** die von Eko stammende Textstelle den Kriterien zufolge ein waschechter viersilbiger Haufenreim ist, sowie Kollegahs Beitrag ein viersilbiger Binnenreim, genauer gesagt ein viersilbiger Mittenreim. Natürlich unterscheidet sich der identische Reim im Rap-Genre von der kla**ischen Literatur insofern, da** mit Doppelbedeutungen von Begriffen gearbeitet wird, um ein möglichst großes Spektrum an Wortwitz darzubieten. Für das Verständnis von äquivoken Reimen ist zwingend erforderlich, da** die Bedeutung von h*mophonen bekannt ist. Das klingt jedoch zunächst hochtrabender, als es eigentlich ist: Ein h*mophon ist ein Wort, das bei gleicher Aussprache verschiedene Schreibweisen und Bedeutungen aufweist. Ein kla**iches Beispiel hierfür sind “meins-Mainz” oder “mehr-Meer”. Bei Wikipedia findet sich eine überaus umfangreiche Liste mit solchen Wörtern. Es ist noch hinzuzufügen, da** die identische Aussprache im allgemeinen Sprachgebrauch aufgrund des unterschiedlichen Kontextes meistens keine Kommunikationsprobleme heraufbeschwört, aber die beliebten Rechtschreibfehler “seit-seid”, sowie “das-da**” sich darauf zurückführen la**en, obwohl hier auch der Kontext für fehlerfreien Gebrauch sorgen sollte, aber das ist ein anderes Thema. Nun lässt sich auch das Merkmal des sperrig bennanten äquivoken Reims leicht erklären: Es ist nämlich ein Reim mit eben jenen h*mophonen. Was sich jetzt so entspannt anhört, erfordert beim Musikkonsum ein überaus gespitzes Ohr, um diese sprachlichen Rafinessen auch richtig einordnen zu können. Ein Beispiel hierfür liefert uns der sich grad auf Tour befindende F.R. in seinem Song F zum ABC: Warte mal, ich sag' es euch in sechs Sätzen Obwohl, zwei Wörter reichen auch: “Sechs, setzen!” Ein Beispiel, das eher weniger dem Gangster- bzw. Battle-Rap zuzuordnen ist, zeigt uns Curse in Wenn ich die Welt aus dir erschaffen könnte: Frag' ich dich, und du spendest Rat Ich krieg' die Felsen nich' bergauf, doch du kommst und erfindest das Rad In meiner Abhandlung zum Thema “Elongated Pause Flow” schrieb ich, da** die Dosis das Gift mache. Genauso verhält es sich mit dieser Technik; wohlwollend, sporadisch und gekonnt eingesetzt, wirkt sie als Akzentuierung, ein zu häufiger Gebrauch hingegen nervt immens. Farid Bang sei hiermit gegrüßt! Mit diesen Worten kommt diese Serie nun vorerst zu einem Ende. Dieser Teil ist zwar bedeuteund kürzer als die anderen beiden, genauer gesagt ungefähr halb so lang, jedoch ist der Inhalt nicht minder von Bedeutung, was das Verständnis von Rap-Texten anbelangt. Ich hoffe indessen, da** ich mit meinem bisherigen Werk ein wenig Wissen in die Welt streuen konnte und die Leser noch lange davon laben mögen. Bei der Recherche, wenn man Musik hören in diesem Fall so bezeichnen darf, sind mir selber immer wieder weitere Kleinigkeiten aufgefallen, die mitunter ein Lächeln auf meine Lippen gezaubert oder einfach Erstaunen im Anblick der Schreibkunst manches Künstlers hervorgerufen haben. Letztendlich ist es mein Ziel gewesen, jenes Gefühl nach außen zu transportieren und es anderen Leuten zu ermöglichen, Rap-Musik bewusster wahrzunehmen. Ihr könnt gespannt sein, welchen Themen ich mich in Zukunft widmen werde, denn an Ideen mangelt es keineswegs! Ich möchte zum Schluss nochmal eine Lanze für alle Zweckreime dieser Welt brechen und daran erinnern, da** mehr denn je folgender Grundsatz bei der näheren Betrachtung von Rap-Texten gilt: Im Zweifel für den Reimenden!